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Der Dritte Gesundheitsmarkt
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5.3  Handlungsempfehlungen

Die vorliegende Studie gibt einen Überblick über die Anwendung des Dritten Gesundheitsmarktes, um darauf aufbauend Handlungsempfehlungen für das deutsche Gesundheitswesen zu geben.

Das deutsche Gesundheitssystem befindet sich durch den demographischen Wandel, die Digitalisierung und die Nachfragestruktur in einem Veränderungsprozess. Es existieren zwei Varianten um Gesundheitsverständnis: das klassische Modell, nachdem der Patient von den Maßnahmen und standardisierten Prozessen der Medizin abhängig ist und das zukünftige Modell, demzufolge der Patient die Hoheit über seine Gesundheit besitzt und mehr Kollaboration, Transparenz und Wissensfreiheit fördert. Bei der Demokratisierung der Gesundheit liegt der Fokus auf individuellen Gesundheitslösungen und dem Menschen als Qualitätsmerkmal. Die Gesundheit wird aufgrund des Zusammenwirkens von verschiedensten Playern und der Integration von vielfältigen Kompetenzen zu einem offenen und partizipativen Gemeinschaftsmarkt. Sie nutzt alle Beziehungen, wie bspw. die unter den Patienten oder Gesundheitskonsumenten, das klassische Arzt-Patient-Verhältnis und die Zusammenarbeit von Profis und Laien aus dem ersten und zweiten Gesundheitsmarkt, um Gesundheitspotenziale optimal einzusetzen (Philips Gesundheitsstudie, 2015). Wie sich der erste Gesundheitsmarkt zum zweiten und dritten Gesundheitsmarkt verhält, bleibt abzuwarten. In der Realität können diese nicht derart “schwarz-weiß” gegenübergestellt werden, da deren Grenzen verschwimmen. Die Übersicht hilft jedoch, das Kontinuum zwischen den einzelnen Märkten zu betrachten. Innerhalb der Transformation der Gesundheitsmärkte nehmen zudem weitere Begriffe, wie bspw. Medizin 4.0 oder Gesundheit 4.0, eine große Relevanz ein. Sie umfassen u. a. eine neue Form der Kommunikation und Kollaboration zwischen Patienten, Gesundheitskonsumenten und Medizinern über das Internet. Als Beispiel können Health-Social-Networks genannt werden, die einen qualitativ hochwertigen Informationsaustausch erzielen. Auch das digitale Self-Tracking fördert die Idee eines Empowerments und somit die Selbstbestimmung und Verantwortung über die eigene Gesundheit – ohne die Unterstützung von den klassischen Playern im Gesundheitswesen. Die Demokratisierung des medizinischen Wissens und die verstärkte Digitalisierung im Gesundheitswesen ermöglicht dem Patienten aktives Mitbestimmen über ihre Gesundheit. Durch die Share Economy im Gesundheitswesen wird der Patienten zum Gesundheitskonsumenten, der dem Mediziner als “Gleichgesinnten” begegnet. Im Gegensatz dazu ist der Arzt umso mehr gefordert und gefragt, da im Internet jedem Interessierten Wissen und Leistungen angeboten werden, die früher nur Experten zugänglich waren. Die Aufgabe der Mediziner wird es sein, die relevanten und richtigen Informationen herauszufiltern und diese in das Alltagsverständnis zu übersetzen (Liebrich 2017).

Die Literaturrecherche hat deutlich gemacht, dass der Begriff noch weitestgehend unbekannt ist, es aber gleichwohl bereits erste Geschäftsmodelle im Gesundheitswesen gibt (die sich vielleicht auch selbst nicht dem Dritten Gesundheitsmarkt mangels Bekanntheit des Begriffes zuordnen). Hier ist weitere Forschung notwendig, um auch kritisch zu ergründen, ob der Begriff des Dritten Gesundheitsmarktes überhaupt zielführend ist und auch Potenzial hat, um sich neben den beiden bisherigen Begriffen (vgl.  Abschnitt 3.2) zu etablieren. Bei der Primärdatenerhebung wurde deutlich, dass die meisten der befragten Experten ein hohes Maß an Potenzial dem Gedanken der Share-Economy vor dem Hintergrund der zunehmenden digitalen Transformation der Gesundheitsbranche zuordnen. Ebenso stellte sich in der Expertenbefragung heraus, dass eine Änderung von bestehenden Rahmenbedingungen notwendig sei, um einen Weg in den Dritten Gesundheitsmarkt zu finden. Weiterhin waren sich die Experten im Rahmen der Befragungen einig, dass die Datenhoheit bei dem Patienten liegen muss, sodass dieser jederzeit die Option hat Einblick in alle seine Gesundheitsdaten zu nehmen und er diese schlussendlich auch selbständig verwalten kann. Eine zentrale Rolle spielt das Thema Netzwerke und die Kommunikation zwischen den Akteuren, um eine verbesserte Datennutzung zu ermöglichen. Entwicklungsprozesse sollten demnach gemeinsam mit allen Beteiligten festgelegt werden, sowie Standards entwickelt werden, die es erleichtern eine digitale Gesundheitsversorgung praktisch umzusetzen.

Die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient wird zum entscheidenden Qualitätskriterium der Gesundheitsversorgung und der demokratisierten Medizin. Als Unterstützung dienen Medical-Decision-Support-Systeme, um Informationen zu gewichten und basierend auf deren Grundlage Entscheidungen zu treffen (Heyen, 2018). Die Zukunftsaufgabe wird es sein, den Patienten und seine Nachfragen mehr in den Fokus zu nehmen und seine Gesundheit in Kollaboration zu optimieren. Die Demokratisierung der Medizin bedeutet für die klassischen Gesundheitsakteure, sich intensiver mit dem Menschen - als Patienten und/oder Konsument - zu beschäftigen und seine Anforderungen in den Mittelpunkt zu stellen. Mit einer engen Vernetzung des Gesundheitswesens wird die ganzheitliche Versorgung mit einer patientenzentrierten Qualität realisiert. In diesem Zusammenhang stellt die Demokratisierung der Medizin eine Vision des künftigen Gesundheitswesens dar (Langkafe, 2018).

Zusammenfassend ist in der nachfolgenden Abbildung der Vergleich zwischen dem Ersten Gesundheitsmarkt und dem Zweiten bzw. Dritten Gesundheitsmarkt aufgeführt, der von links nach rechts die Implikation für das deutsche Gesundheitswesen auf dem Weg zum Dritten Gesundheitsmarkt darstellt.

 

Tabelle 4: Vergleich des 1. Gesundheitsmarktes mit dem zweiten und dritten Gesundheitsmarkt (eigene Darstellung)

1. Gesundheitsmarkt 2. und 3. Gesundheitsmarkt
analog digital

dataprotection

datasharing

sektoral

integral
reguliert marktorientiert
produktorientiert lösungsorientiert
Insellösungen Plattformökonomien
Einzelanbieter Partnerstrukturen
kollektiv individuell
kurativ präventiv (und optimiert)

pay-for-diseaese

pay-for-health

nationalinternational

 

In der obigen Tabelle ist das Gesundheitswesen heute und morgen aufgeführt. Heute ist das Gesundheitswesen überwiegend analog und sektoral gegliedert, wobei in Zukunft zunehmend digitale Gesundheitsangebote Einzug in ein Gesundheitswesen finden werden, dass eher integral gestaltet wird. Das Sozialgesetzbuch ist maßgeblich für die Regulation des Gesundheitswesens verantwortlich braucht jedoch ein Update hinsichtlich der neuen digitalen Versorgungsmöglichkeiten (Matusiewicz et al. 2019). Das Ganze erfolgt wie auch im E-Commerce eher lösungsorientiert und weniger produktorientiert. Im Gesundheitswesen sind viele Lösungen im Gesundheitswesen in der Vergangenheit gescheitert, da es schwierig war, dass Industrie, Krankenkassen und Startups aus politischen Gründen zusammengearbeitet habe. Dies hat ändert sich in den letzten Jahren geändert. Durch die zunehmende Vernetzung und den Einzug neuer Player in der FAANG-Ära in den Gesundheitsmarkt werden Gesetzliche Krankenversicherung und staatliche Administration (auf der einen Seite sowie privat finanzierte Gesundheitsleistungen auf der anderen um eine Form der Zusammenarbeit erweitert. Einige der dargestellten Beispiele – darunter auch in Deutschland – zeigen, wie das Individuum und über die Kommerzialisierung der Gesundheitsdaten einbezogen und zum Souverän wird. Kurzum: Der Einzelne kann mit seinen Gesundheitsdaten in Zukunft auch Geld verdienen. Diese könnten zu einer neuen Währung werden (Schegg und Matusiewicz, 2018). Darüber hinaus entwickelt sich der Marlt vom heutigen Fokus auf den Datenschutz (data security) zum Teilen von Gesundheitsdaten (Data Sharing). Die Akteure werden sich darauf einstellen müssen, dass das Gesundheitswesen in Deutschland zunehmend internationaler wird (gerade im Bereich der Diagnostik) und damit auch die englische Sprache in einem Deutschgeprägten Gesundheits- und Sozialsystem an Bedeutung gewinnen wird.

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