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Der Dritte Gesundheitsmarkt
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5.2  Grenzen und Risiken des dritten Gesundheitsmarktes

Die Grenzen und Risiken des Dritten Gesundheitsmarktes sind vielfältig. Zum einen ist das Thema weitestgehend unbekannt und das Thema beinhaltet ein hohes Abstraktionslevel, was das Verständnis des Dritten Gesundheitsmarktes erschwert. Darüber hinaus ist von einer Blockade der bisherigen Akteure (Selbstverwaltung) auszugehen, da hier ein Machtverlust damit assoziiert werden könnte. Insgesamt finden Veränderungen in der Versorgungsrealität - trotz Reformbemühungen - eher langsam statt und drohen schnell wieder überholt zu werden (Harms, Gänshirt, Rumler, 2008). Das zentrale Merkmal für die gegenwärtige und künftige Gesundheitsbranche stellt das “Vertrauen” dar. Die derzeitige Struktur in den ersten und zweiten Gesundheitsmärkten befindet sich aufgrund mangelnder Einhaltung von Qualitätsstandards, des steigenden technischen Fortschritts und der Motive der klassischen Gesundheitsvertreter in einer Vertrauenskrise. Der Mensch fordert mehr Transparenz, Informationen und Datensicherheit. Insbesondere gilt dies für die Akteure im öffentlichen und privaten Sektor des Gesundheitswesens. Das mangelnde Vertrauen in die Transparenz der Gesundheitsversorgung hat zur Folge, dass die Gesundheitskonsumenten nach alternativen Informations- und Bezugsquellen suchen und sich folglich die Share Economy entwickelt. Der Patient vertraut seinem Arzt nicht mehr bedingungslos, wie in der Vergangenheit, sondern sieht ihn verstärkt als Dienstleister. Im Gegensatz zu dem Vertrauen, was früher Autoritäten wie Ärzten entgegengebracht wurde, wird dieses heute in Daten und Informationen gelegt. Grund dafür ist der Wunsch der Patienten nach mehr Transparenz, Selbstverwaltung und Ehrlichkeit hinsichtlich ihrer Gesundheit und der damit zusammenhängenden Daten. Dieser Wunsch wird sich umso stärker äußern, je massiver die Digitalisierung voranschreitet. Die Frage, die sich die verantwortlichen Akteure stellen müssen, besteht darin, ob der Patient in der Lage sein wird, bei der Menge an verfügbaren Informationen das für ihn relevante Wissen zu erfassen. Das Vertrauen in die vielfältigen Akteure, Plattformen und Informationsquellen ist das elementare Merkmal. Der Zweifel an medizinischer Expertise und der persönlichen Lebenswelt stellt die Gesundheitsversorgung vor die Herausforderung, den Gesundheitsmarkt zugleich als Vertrauensmarkt zu sehen und in diesen zu investieren. Realisiert werden diese Anforderungen durch mehr Kollaboration, Offenheit, Transparenz und Empathie als Lösungsweg für die existierende Problemstellung (Philips Gesundheitsstudie 2015).

Weitere Herausforderungen sind beispielsweise der hohe Aufwand damit datenschutzrechtliche Rahmenbedingungen eingehalten werden können und Missbrauchsfälle sowie Hackangriffe vermieden werden können. Dieses Risiko wird auch aus anderen Publikationen entnommen und löst in der Gesellschaft einen negativen Gedanken aus. Um diese Hürden zu überwinden, benötigt der Mensch genaue Aufklärung und Transparenz, was die Aufbringung von personellen, zeitlichen und finanziellen Ressourcen für das Land bedeutet (Loske, 2019; WiWo, 2015; Haucap, 2015). Das genannte Risiko, dass die Daten nicht der Echtheit oder der notwendigen Qualität entsprechen ist ein wichtiger zu bearbeitender Aspekt. Die Menschen müssen demnach geschult werden, die Messungen der zu erhebenden Daten richtig durchzuführen. Dieses wird für die Bevölkerung erstmal eine Hürde darstellen, weil es Zeit in Anspruch nehmen wird, die Daten sorgfältig zu bearbeiten und verfügbar zu machen. Ebenfalls könnte es auch in einzelnen Datensätzen dazu kommen, dass nur die Gesunden ihre Daten veröffentlichen und somit kein Mehrwert für Forschungszwecke entnommen werden kann. Die ebenfalls genannte Herausforderung, dass die Menschen, die nicht die ausreichende Bildung besitzen, eine Informationsflut gar ein Chaosgefühl empfinden und mit den Daten überfordert sind, muss beachtet werden. Menschen können durch zu viele Informationen Ängste und Selbstzweifel entwickeln, was dem gesundheitlichen Zustand Schaden zufügen kann. Ebenfalls spricht dieser Punkt für die Befürchtung, dass Ärzte Mehraufwand durch Share Economy bekommen werden, weil zu viel Patienten verunsichert sein könnten. Vor allem Personen, die nicht aus dem Gesundheitswesen können, können schnell verunsichert werden und zum Dauergast für den Hausarzt werden. Dafür wäre es wichtig, dass die Menschen eine gewisse Anleitung erhalten und eine Filter- sowie Kategorie- und Bewertungsfunktion. Außerdem wäre es vorteilhaft, die bereitgestellten Daten immer mit mehreren Personen mit unterschiedlichem Bildungsstand und Berufsstand einzusehen und zu besprechen. Die Hinterfragung von Daten kann sonst folglich gesunde Menschen krankmachen. Das Ausmaß ist heute noch nicht abschätzbar. Weiterhin muss bei der neuen Möglichkeit bedacht werden, dass nicht jeder Bürger die gleichen finanziellen Mittel aufbringen kann, um sich an der neuen Möglichkeit des Datenaustausches und der Informationseinsicht beteiligen zu können. Es entsteht also, wie in allen anderen Bereichen auch, eine gewisse Ungerechtigkeit und Benachteiligung von sozial schwächer gestellten Personen. Ebenfalls hat eine Studie gezeigt, dass die Gesellschaft die Zusammenarbeit und Kooperationsbereitschaft der Akteure anzweifelt und als Nachteil beurteilt, dieses wird gleichsam als Risiko genannt, unabhängig von der Branche, wo Share Economy Anwendung findet (Feil 2016).

Es lässt sich festhalten, dass viele Veränderungen der letzten Jahre kaum aufzuhalten sind. Verschiedene Technologien und die Digitalisierung beeinflussen schleichend das Verhalten der Patienten. Sie informieren sich immer intensiver und befassen sich mit Hilfe des Internets über Krankheiten, als auch Behandlungsmöglichkeiten. Dies führt dazu, dass Patienten dem Arzt immer mehr auf gleicher Ebene begegnen und selbständig Entscheidungen zu ihrer Behandlung treffen (Böcken, Braun und Meierjürgen, 2016). Bekannt ist jedoch, dass Veränderungen zu Widerständen seitens der Akteure führen können. Dies resultiert unter anderem aus Ängsten, anderen Wertevorstellungen und Unwissenheit. Daher entsteht natürlich auch Kritik bezogen auf die Veränderung des Gesundheitsverhaltens (Eckhardt, et al. 2014, Gröger, 2014). Auch die Verbraucherzentrale äußerte sich ebenfalls kritisch dazu, dass Kunden sensible Daten preisgeben müssen, um Rabatte bei den Versicherern zu erhalten. Laut dem Chef der Verbraucherzentrale, stellen solche Modelle mit Aussichten auf bessere Tarife eine Abkehr der solidarischen Versicherung dar (Süddeutsche Zeitung, 2015). Ein weiterer Punkt ist das Erheben der Daten selbst und ob alle Generationen auch in gleichem Maße fähig sind diese zu erheben. Damit evidenzbasierte Werte für Forschungszwecke genutzt werden können, ist weiterhin sicherzustellen, dass die zusammengetragenen Daten auch valide sind. Doch das Wichtigste ist die Sicherheit. Um einen sicheren Austausch von Gesundheitsdaten für den dritten Gesundheitsmarkt zu gewährleisten, bietet das Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen genaue Vorschriften für die Einführung einer digitalen Infrastruktur. Laut dem Bundesministerium für Gesundheit ist es von hoher Bedeutung, dass zukünftig online Strukturen geschaffen werden und IT-Systeme dazu in der Lage sind die Kommunikation zwischen den Akteuren zu ermöglichen (Bundesministerium für Gesundheit, 2018d). Daher ergibt sich aus den aktuellen Entwicklungen, dass die Rahmenbedingungen für die Einführung eines Dritten Gesundheitsmarktes, dessen Kernaufgabe den Austausch medizinischer Daten beinhaltet, auch weiterhin durch politische Maßnahmen gefördert werden muss und wesentliche Rahmenbedingungen wie beispielsweise der Besitz der Daten geklärt werden müssen. Hierbei besteht zudem ein Risiko, dass die Daten privatwirtschaftlichen Unternehmen gehören, was den Widerspruch zur Gesundheit als Public Good steht.

 

Die Top 5 Grenzen und Risiken des Dritten Gesundheitsmarktes sind in der zusammenfassend über alle Ergebnisteile zusammengefasst:

  • Unbekanntheit und Desinteresse hinsichtlich der Share Economy im Gesundheitswesen (hohes Abstraktionslevel)

  • Blockaden der bisherigen Akteure (Selbstverwaltung, rechtlicher Rahmen)

  • Überlastung der Menschen im Sinne einer Konfrontation mit zu vielen Informationen

  • Datenschutz und Datensicherheit (Hackerangriffe und Datenmissbrauch)

  • Datensilos und Privateigentum der Daten statt open-source Lösung

 

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