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Der Dritte Gesundheitsmarkt
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ALS - Amyotrophe Lateralsklerose
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5.1  Chancen und Potentiale für den dritten Gesundheitsmarkt

Der Dritte Gesundheitsmarkt beschreibt eine mögliche neue Säule des deutschen Gesundheitssystems. Eine wesentliche Chance des Dritten Gesundheitsmarktes ist es, dass durch den Datenfluss im Gesundheitswesen mehr Informationen zur Verfügung stehen, die sowohl im Bereich der Prävention (Stichwort Präzisionsprävention) als auch im Bereich der Medizin (Stichwort: Präzisionsmedizin) zur Verfügung stehen. Zudem gewinnt der Austausch von gesundheitsbezogenen Daten an Bedeutung, indem Erfahrungen anderer Patienten genutzt und eigene Erfahrungen geteilt werden. So belegen unterschiedliche Studien, dass die Menschen immer mehr Vertrauen in die Digitalisierung haben und bereit sind gesundheitliche Daten zu teilen (YouGov, 2015). Dies kann unter anderem mit Hilfe von Gesundheitsportalen erfolgen, in denen Gleichgesinnte miteinander kommunizieren sowie Gesundheitsdaten digital gekoppelt und den Behandelnden zur Verfügung gestellt werden. Primär handelt es sich nicht mehr nur um die Diagnostik und Therapie von Krankheiten und die Bekämpfung von Symptomen, auch der soziale Austausch unter Gleichgesinnten. Der gemeinsame Austausch, beispielsweise in Gesundheitscommunitys, zeichnet den Dritten Gesundheitsmarkt ebenso aus, wie das Nutzen neuer Technologien. Die Rolle des Patienten ändert sich, so dass er mehr und mehr zum Kunden, bzw. zum gesundheitsorientierten Konsumenten wird (Zukunftsinstitut, 2015).

Es werden zunehmend open-source Lösungen entstehen, die aus einer privaten Initiative zu einer größeren Lösung führen (Beispiel: PatientesLikeMe) und schließlich durch ein großes Funding vom Dritten zum Ersten Gesundheitsmarkt zurückwandern. Eine weiterere Austauschplattform entsteht derzeit durch Plattformen wie healthbank. Die Gesundheitsdatenbanken enthalten Stammdaten, Krankengeschichten, Haupt- und Nebendiagnosen, alle Informationen über Behandlungs- und Therapiekonzepte, die medikamentöse Therapie, Laborwerte und viele weitere Daten. Auch Notfalldaten oder Informationen über das Vorhandensein einer Patientenverfügung sowie eines Organspende-Ausweises können in diesen Datenbanken festgehalten werden. Zusammenfassend stellt dies eine neutrale, unabhängige Plattform dar, die es Menschen der ganzen Welt ermöglicht Gesundheitsdaten auszutauschen (Healthbank, 2018). Für die Behandler, Ärzte und Pflegedienste entsteht eine deutliche Erleichterung in Bezug auf die weitere Versorgung. Zudem können Fehl- oder Doppelbehandlung verhindert werden. Es wird deutlich einfacher gespeicherte Daten gemeinsam zu nutzen und sie immer wieder neu anzupassen, wie es derzeit schon der digitale Medikamentenplan ermöglicht. Therapien können somit stetig optimiert oder angeglichen werden und der Patient ist durch den Zugriff auf seine digitale Patientenakte, besser informiert (Vitabook, 2018). Mittlerweile bieten auch Krankenkassen mit Hilfe von Gesundheitsdatenbanken, einen sicheren Austausch von Gesundheitsdaten an (Deutscher Ärzteverlag, 2017).

Darüber hinaus kann die Entwicklung zu einer neuen “Gesundheitskultur” führen, so dass die klassischen Gesundheitsmärkte um neue Formen der Kollaboration erweitert werden, wodurch die Gesundheit zu einem Austauschgut wird. Es geht hierbei um das Prinzip der Selbständigkeit durch unterschiedliche Sphären des Tauschens, Teilens und Verteilens (Wienke, et al., 2009).

Die These, dass die Medizin nicht mehr nur präventive Maßnahmen, wie das Lindern von Symptomen und die Heilung von Krankheiten beinhaltet, sondern auch noch ermöglicht die menschliche Gesundheit zu optimieren, stellt ein großen Marktpotenzial dar. Der innovative Fortschritt und das veränderte Gesundheitsverständnis der Bevölkerung führen dazu, dass der engagierte Patient seine Gesundheit nicht mehr nur als einen Zustand betrachtet. Gesundheit wird zu einem immer größeren Thema, welches gemeinsam gemanagt wird. Auch Apps, Gesundheitscommunitys sowie Fitness- und Ernährungstrends führen zu dem Bedürfnis, die eigene Gesundheit nicht nur zu erhalten, sondern stetig zu verbessern (Repschläger, Schulte, Osterkamp, 2017). Die Bedeutung gesund zu altern und im Alter möglichst lange fit zu bleiben hat in einer Zeit, in der die Menschen immer älter werden, deutlich zugenommen. Diese Faktoren fördern das Bedürfnis der Verbesserung des eigenen Gesundheitszustandes. Inhalte dieser sind es körperlich fit, sportlicher, intelligenter sowie psychisch und physisch immer leistungsfähiger zu werden. Demzufolge geht es nicht mehr nur um das Ausbleiben von Krankheiten, sondern vielmehr um eine Art der Selbstoptimierung und dem Ziel einer Gesamtgesundheit. Es gilt, stets das Beste für sich und für die eigene Gesundheit zu erreichen. Ein Begriff, welcher hierbei immer wieder auftaucht ist: Healthness. Die Suche nach Kraft und Lebensenergie sowie das Nutzen von Ressourcen, um trotz stressiger Lebenssituationen den Alltag gesund zu meistern nehmen einen hohen Stellenwert ein (Freericks und Brinkmann, 2015). Der wachsende Druck durch die Gesellschaft kann zunehmend relevant für die Gesundheit der Bevölkerung werden. Zudem fördern sowohl spezifische, als auch ökonomische, kulturelle und historische Ursachen den Umgang der Gesellschaft was Gesundheitsförderung angeht (Duppel, 2005). Ein weiteres Thema in Bezug auf die Kontrolle des eigenen Körpers und den Transfer ermittelter Daten, ist das sogenannte Self-Tracking. Diese Art der Selbstvermessung soll dazu dienen, gesundheitsbezogene Daten mit Hilfe neuer Technologien selbständig festhalten zu können. Grundsätzlich ist die Überwachung des Körpers sowie die Aufzeichnung und Analyse von Gesundheitsdaten eine wissenschaftliche Herangehensweise, um die Verbesserung eines Zustandes zu erzielen. Die Motivation wird weiter durch den Vergleich anderer Nutzer gefördert (Oehrl, 2016). Den größten Einfluss auf die menschliche Gesundheit haben jedoch vor allem Faktoren wie Bildung, Umwelteinflüsse, Werte und Erwartungen an die eigene Gesundheit, sowie dem Angebot an Gesundheitsdienstleistungen, also dem Zugang zu Gesundheit. Sind diese Faktoren gegeben, dient eine gesunde Ernährung, körperliche Fitness, Gesundheitsprävention und eine individuelle Versorgung von Krankheiten oder Symptomen dazu, die bestmögliche Gesundheit zu erzielen. Studien ergaben, dass in Deutschland die Zahlen der Menschen, welche ihre Lebensweise als gesundheitsfördernd ansehen, deutlich gestiegen sind. Vor zwanzig Jahren behaupteten dies 24 Prozent der Bevölkerung von sich, aktuell sind es bereits 32 Prozent. Weiter äußerten 85 Prozent der deutschen Bevölkerung an gesunder Lebensweise und Ernährung interessiert zu sein. Weitere 33 Prozent wären auch bereit dafür deutlich höhere Ausgaben zu tätigen. Gesundheit wird zunehmend als wichtige Ressource betrachtet, die es aufrecht zu erhalten gilt (Zukunftsinstitut, 2015).

Als wesentlicher Vorteil wurde im Rahmen der Primärdatenerhebung die Chance auf Forschungsförderung beurteilt. Dieses ist aus verschiedenen Gründen anzunehmen, weil die Forschung im Gesundheitsbereich oftmals über Daten verfügt, diese aber nicht zu Forschungszwecken verwenden darf oder aber die einzelnen Akteure nicht zusammenarbeiten, sodass ein Pool an unverbrauchten Daten besteht. Dieses könnte sich durch Share Economy ändern. Vor allem Kranke mit besonderen und unerforschten Erkrankungen können dadurch für sich selbst einen Mehrwert generieren, weil sie entweder von Erfahrungsberichten profitieren können oder aber selbst in die Forschung mit einsteigen können. Neben diesem Aspekt wird es für Kranke und Gesunde gleichermaßen ein lukratives Angebot sein, Geld für Daten zu erhalten, da finanzielle Mittel oder Leistungen immer vorteilbehaftet sind. Außerdem wird der Vorteil angesprochen, dass Menschen andere Menschen durch Share Economy zur Selbsthilfe verhelfen bzw. diese Eigenmotivation gefördert wird. Vor allem der positive Effekt, dass Menschen ihre Hilfsbereitschaft darstellen, kann ebenfalls zu mehr Tauschaktionen führen. Es hilft also den Kranken sich selbst durch Erfahrungen zu heilen bzw. gesundheitlich zu unterstützen und andererseits Gesunden ein emotionales positives Gefühl anderen zu helfen zu geben. (Spermann, Eichhorst, 2015; Deutsche Leasing Gruppe, 2018).

Der Dritte Gesundheitsmarkt basiert auf den aktuellen Entwicklungen der Gesundheitsbranche und ermöglicht eine Wissensdatenbank, die sowohl einen Fortschritt für die medizinische Forschung, als auch die Pharmaindustrie darstellt und stellt damit einen Zukunftstrend dar (GfK Verein, 2015). Grundsätzlich sind beide auf Daten angewiesen, welche Erkrankungen betreffen, als auch über den allgemeinen Gesundheitszustand. Eine Datenbank mit medizinischem Wissen, an dem auch der Patient maßgeblich beteiligt ist, kann somit einen großen Fortschritt für die medizinische Forschung darstellen (Detterbeck und Pöttgen, 2009). Neben dem Erfolg für die Forschung kann der Dritte Gesundheitsmarkt auch einen hohen Nutzen für die Prävention haben. Sowohl durch Self-Tracking, als auch durch die Unterstützung der Politik könnten Nugding-Ansätze verfolgt werden, die das Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung beeinflussen. Auf Grund des Austausches von Gesundheitsdaten können Versicherer den Konsumenten deutlich einfacher erreichen und individueller auf Präventionsmaßnahmen hinweisen (Meier und Ziegler, o.J.).

Weiterhin lässt sich feststellen, dass eine gute Vernetzung zwischen Arzt und Patient dazu führt, dass eine bessere Versorgung stattfinden kann. Der Patient hat die Chance sich zukünftig sowohl über Krankheiten, als auch deren Verläufe zu informieren und diese somit besser verstehen zu können. Dies erfolgt durch den Austausch mit Gleichgesinnten, als auch über das Speichern und Messen der eigenen Gesundheitsdaten. Durch das Koppeln dieser Daten besteht die Möglichkeit, dass sowohl Kostenträger, als auch Leistungserbringer und die Patienten gleichermaßen darauf zugreifen können und somit eine deutliche Verbesserung einer individuellen Behandlung gewährleistet werden kann. Insbesondere für Chroniker stellt ein gemeinsamer Datenaustausch eine massive Verbesserung dar. Hier können verschiedene Evaluationsergebnisse einen Anreiz schaffen, die eigene Krankheit aktiv zu managen und mehr Souveränität zu erlangen. Die Grundlagen sind also Systeme, die es ermöglichen, Transparenz für einen strukturierten Informationsaustausch und die Sicherheit der Daten zu gewährleisten (Kranzer, 2007).

In der Vergangenheit waren die Informationskanäle eindimensional. Im Gegensatz dazu werden die künftigen Informationsflüsse mehrdimensional und netzwerkartig durch verschiedene Akteure im Gesundheitswesen organisiert. Folglich spielt insbesondere die Kommunikationstechnologie-Branche eine elementare Rolle im dritten Gesundheitsmarkt. Die klassischen Player, wie bspw. medizinische Berufsgruppen, Versicherungen und Pharmatherapeuten werden durch Gesundheitsportale, Communitys und Plattformen ergänzt. Wie bereits in der Einleitung verdeutlicht existieren vermehrt open-source Lösungen, die private Initiativen skalieren. Auf verschiedenen Gesundheitsportalen und Plattformen tauschen sich die gesundheitsorientierten Verbraucher untereinander aus – und das ohne die Einbindung klassischer Gesundheitsplayer. Die steigende Anzahl an Gesundheitsportalen und Communitys führt zu einem Gesundheitssystem, welches einem Peer-to-Peer-Austausch gemeinschaftlich gestaltet wird und damit auch einen Wettbewerb und einen Handlungsdruck auf das etablierte Gesundheitssystem aufbaut. Sogenannte Open Health-Plattformen sind neuartige und leistungsfähige Opportunitäten für eine gemeinsame effektive Sammlung von Wissen zwischen Patienten, Gesundheitsexperten, Wissenschaftlern und weiteren Stakeholdern der Gesundheitswirtschaft (Kuenne et. al. 2013). Mit der Unterstützung von sogenannten Open-Health-Plattformen können darüber hinaus sowohl kranke als auch gesunde Menschen Informationen über medizinische Themen sammeln und ihre Erfahrungen mit anderen Nutzern der Plattform teilen. Des Weiteren agieren diese Plattformen als Intermediäre und können den Austausch von Wissen und Ideen zwischen den verschiedenen Akteuren der Gesundheitsbranche unterstützen. (Kuene und Agarwal 2015). Beispiele sind die vorgestellten Gesundheitsportale, die einen qualitativen Erfahrungstausch ermöglichen. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass Open Health-Plattformen verschiedene Intentionen haben, angefangen beim Austausch von Informationen und Wissen in Communities bis hin zur gemeinsamen Entwicklung von Innovationskonzepten zur Lösung spezifischer Probleme im Gesundheitswesen. (Kuenne et al., 2013) Das Prinzip der partizipativen Gesundheit bietet mehr Vertrauen seitens der Patienten und Konsumenten, mehr Wirtschaftlichkeit durch geteilte Anschaffungskosten und mehr Transparenz durch eine offene Kommunikationsstruktur. Auch klassische Player, wie Unternehmen und Forschungseinrichtungen agieren verstärkt mit neuen Zielen und Strategien auf eine offene Gesellschaft und lassen die Idee einer demokratisierten Gesellschaft - “open health- realisieren.

 

Die Top 5 Chancen und Potenziale des Dritten Gesundheitsmarktes sind in der zusammenfassend über alle Ergebnisteile zusammengefasst:

  • Zugang zu innovativen Gesundheitsservices und Leistungen

  • Steigerung der Souveränität des Individuums

  • Erhöhung der Gesundheits- und Datenkompetenz

  • Erhöhung des Wettbewerbs und Drucks im ersten und zweiten Gesundheitsmarkt

  • Partielle Unabhängig von der Infrastruktur des jeweiligen Gesundheitssystems

 

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