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Der Dritte Gesundheitsmarkt
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4.1.1  Begriffsbestimmung Share Economy

Unter dem englischen Begriff “Sharing” versteht man das Teilen und zwar im Sinne der Überlassung von Dingen an Dritte zu deren Nutzung beziehungsweise des Erhalts von Dingen von Dritten zur eigenen Nutzung (Belk, 2007). Belk weist der Sharing Economy zwei Eigenschaften zu, zum einen die temporäre Nutzung von Produkten und Services ohne Eigentumsübergang und zum anderen die Integration und Nutzung des Internets, wobei dabei besonders das Web 2.0 als Grundlage für den Austausch der Produkte und Services angesehen wird (Belk, 2014). Der Verzicht auf Eigentum zugunsten des Erwerbs von Nutzungsrechten kennzeichnet die Ökonomie des Teilens. “Teilen statt Haben” oder “Nutzen statt Besitzen” sind die Schlagwörter der Sharing Economy (Theurl, 2015). Die ursprüngliche Definition der Sharing Economy geht auf den Harvard-Ökonomen Weitzman und auf sein Buch “The Share Economy” aus dem Jahr 1984 zurück. Er untersuchte, inwieweit Beteiligungsmodelle in Form von flexiblen Löhnen zu Vollbeschäftigung führen können. Die Kernaussage seiner Untersuchung ist, dass durch das Teilen unter den Marktteilnehmern die Kräfte des Wettbewerbs entfesselt werden können, was in einer Verbesserung des wirtschaftlichen Wohlstandes für alle resultiert (Weitzman, 1984). Der Begriff Share Economy beschreibt außerdem verschiedene Wirtschaftsmodelle, welche die Gemeinsamkeit der gemeinschaftlichen Nutzung von Gütern und Dienstleistungen haben. Der Begriff beinhaltet verschiedenste Formen: vom kommerziellen, profitorientierten Car-Sharing über Second Hand-Marktplätze bis hin zum Bücherverleih in Bibliotheken und nachbarlichen nicht-kommerziellen Verleihinitiativen. Innovative Mietkonzepte, Tausch- und Verleihplattformen, Vermittlungsbörsen für geteilte Güternutzung und vieles andere mehr sind Ausdruck einer neuen Ökonomie des Teilens, die für einige den Übergang von einer Kultur des Ego-Konsums zu einer Kultur der Zusammenarbeit (Dönnebrink, 2014), für andere hingegen die zunehmende Kommerzialisierung privater Lebensbereiche repräsentiert (Staun, 2013).

Je nach Sichtweise und Kompetenzstatus eines Autors bzw. Wissenschaftlers wird der Begriff Sharing Economy oder Share Economy allerdings unterschiedlich definiert. Ersichtlich sind aber drei wesentliche Ähnlichkeiten bei den Definitionsausarbeitungen. Zum einen wird eine Ausprägung der Sharing Economy identifiziert, die erzielt, dass eine Verlängerung der Nutzungsdauer von materiellen Gütern durch Tausch, Verschenken und vor allem Weiterverkauf gefördert wird. Dabei wird die Nutzung des (gebrauchten) Gutes an den Eigentumswechsel geknüpft. Außerdem unterscheidet man die Nutzungsintensität von materiellen Gütern, indem Dritten ohne Eigentumserwerb ein temporäres Nutzungsrecht, mit oder ohne Entgelt, an dem Gut eingeräumt wird. Ebenfalls wird der Handel mit oder Tausch von immateriellen Gütern wie beispielsweise Dienstleistungen im Gesundheitswesen meistens jenseits konventioneller Dienstleistungsmärkte betrachtet (Botsman und Rogers, 2011; Andersson et al., 2013; Schor und Fitzmaurice, 2015). Begonnen hat dieser internetgestützte “sharing turn” (Grassmuck, 2012) mit dem Teilen digitaler Medien, etwa auf einer Plattform wie Napster. Später sind Plattformen dazugekommen, die die geteilte Nutzung materieller Güter wie Werkzeuge, Spielzeug, Unterkünfte, Fahrzeuge und so weiter zu geringen Transaktionskosten ermöglichten (Botsman und Rogers, 2011).

Da der Umgang und das Nutzen von Produkten hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert hat, hat sich auch die Kultur des Teilens durch die Entwicklungen unterschiedlicher Branchen verbessert. Der Trend Produkte zu teilen, anstatt sie zu besitzen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Des Weiteren ist “Sharing Economy” auch ein Begriff für viele Wirtschaftsmodelle, welche sich mit dem gemeinschaftlichen Nutzen von Gütern und Dienstleistungen beschäftigen. Es handelt sich hierbei um digitale Plattformen, die von Unternehmen entwickelt wurden, um einen gemeinsamen Austausch zu organisieren (Kurtin, 2018). Vorreiter für die offizielle Anwendung des Begriffs war ebenso die CEBIT, welche “Shareconomy” 2013 als eigenes Motto einsetzte. Hierbei ging es darum die Veränderung des gesellschaftlichen Verständnisses darzustellen. Beispiele für das Teilen von Produkten sind u.a. Musikportale, in denen es darum geht, ein bestimmtes Produkt für einen begrenzten Zeitraum zu nutzen, aber nicht dauerhaft zu besitzen. Insbesondere in der IT-Welt werden bestimmte Serviceangebote wie Service as a Service (SaaS), Platform as a Service (PaaS) oder Infrastructure as a Service (IaaS) immer mehr verwertet (Parbel, 2012). Die Folge ist eine Intensivierung des Informationsaustausches und ermöglicht den Menschen einen viel einfacheren Zugang zu Erkenntnissen und Wissen. Auch aus politischer Sicht ist dieser Trend noch aufzuarbeiten. Hierzu dient ein Leitfaden des Projektes, welches im Jahr 2016 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wurde und sich mit dem Thema “Peer-Sharing”, also dem Teilen von Dingen zwischen Privatpersonen auseinandersetzte (Behrendt, Henseling und Scholl, 2018). Es sollte einerseits die konzeptionelle Erfassung und andererseits die praktische Bestandsaufnahme ermöglichen, da zum jetzigen Zeitpunkt wenig abgeschlossene Studien existieren (Deutscher Bundestag, 2016).

Teilen ist das neue Besitzen und ebenso eine soziale Handlung, welche üblicherweise zwischen vertrauten Personen stattfindet. Durch die Entwicklungen des Internets und der Verbreitung digitaler Netzwerke kam es jedoch zu einem Wandel des ursprünglichen Teilens. Ziel von Share Economy ist es, eine neue Form der sozialen Interaktion und einem neuen Umgang mit Dienstleistungs- und Angebotsstrukturen digitaler Medien zu ermöglichen (Jaeger-Erben, Rückert-John und Schäfer, 2017). Aktuell werden zudem Begriffe genutzt, wie das “ökonomische Teilen” und “Collaborative Economy”. Diese beschreiben den Vorteil aus ökonomischer und ökologischer Sicht ein Produkt nicht dauerhaft zu besitzen. Dadurch, dass der Begriff “Sharing Economy” zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht einheitlich definiert ist, sehen sich viele Branchen als ein Teilnehmer der Share Economy (von Stokar et al. 2018).

Entwicklungsstufen der Share Economy

In einer Share Economy geht es darum Dinge deutlich effizienter zu nutzen und weniger um den Profit der Marktpartner untereinander. Im Bereich der Nutzung eines Produktes gibt es die Möglichkeit zu verschenken, zu tauschen oder weiter zu verkaufen. Ebenfalls ist eine weitere Ausprägung, dass man das Gut nicht nur länger, sondern auch intensiv bzw. anders nutzen kann. Sharing kann zudem in unterschiedlicher Art und Weise durchgeführt werden. Einerseits zwischen Unternehmen und Privatpersonen, nach dem Konzept Business-to-Consumer, oder zwischen zwei Unternehmen selbst, also nach dem Konzept Business-to-Business. Weiterhin kommt es darauf an, wer mit wem teilt, so gibt es größere Initiativen welche sich auf das globale Teilen beziehen und kleinere Plattformen, welche sich auf das Teilen unter Privatpersonen beschränken (von Stokar et al. 2018). Dabei gibt es die Unterformen Co-Using, Verleihen und Vermieten. Es wird jedoch typischerweise zwischen Peer-to-Peer (P2P), Business-to-Consumer (B2C) und Business-to-Business (B2B) Modellen unterschieden. Die Struktur des Peer-to-Peer-Modells der Sharing Economy umfasst Anbieter und Nachfrager, welche über eine Plattform zusammengeführt werden. Diese Modelle weisen niedrige Transaktionskosten und hohe Skalenerträge auf. Die variablen Kosten der Organisation der Vermittlung per Smartphone-App liegen nahezu bei null, nachdem die Anfangsinvestitionen - die Erstellung der App und der dazugehörigen Infrastruktur - getätigt wurden. Das weltweite Ausrollen solcher Geschäftsmodelle ist mit hohen Skalenerträgen verbunden, die rasches und exponentielles Wachstum ermöglichen. Nach der Wirtschafts- und Finanzkrise lässt sich eine Veränderung in den Präferenzen der Menschen beobachten, die zu höherer Akzeptanz der neuen Geschäftsmodelle führt. Die Gesellschaft empfindet das Nutzen tendenziell wichtiger als das reine Besitzen. Die Sharing Economy ist eine Entwicklung, die weiterhin neue Geschäftsmodelle aufzeigen wird und deshalb nicht als Modeerscheinung definiert werden kann (Dervojeda 2013; Deutsches Ärzteblatt 2013; Demary 2015).

 

Es ergeben sich überblickshaft die folgenden Möglichkeiten bei der Share Economy:

  • Verschenken: Dauerhaftes Überlassen eines Produktes, welches selbst nicht mehr genutzt wird (Beispiele: Foodsharing, Ebay, Freecycle etc.).

  • Tauschen: Hierbei werden Produkte gegen andere Produkte, oder Dienstleistungen gegen Dienstleistungen getauscht (“recirculation of goods”). Als Basis hierfür können bereits schriftliche oder mündliche Verträge erstellt werden, welche den Tausch des Produktes absichern (Beispiel: Freecycle, die Tauschbörse, dein.nebenan.de).

  • Weiterverkaufen: Verkauf eines Produktes zu einem bestimmten Wert. Dieses wird durch den Eigentümer nicht mehr benötigt, aber auch nicht entsorgt, sondern kann von jemand anderem zu einem günstigeren Preis, als dem Originalpreis, käuflich erworben werden (Beispiele: Ebay, Kleiderkreisel, Shpock- Flohmarkt, mobile.de ect.).

     

    Um ein Gut nicht nur länger, sondern auch intensiver zu nutzen, gibt es noch weitere Formen des Peer-to-Peer Sharing:

    • Co - Using: Co-Using bedeutet, dass ein Produkt nicht dauerhaft an jemand anderes weitergegeben wird, sondern es trotz eigener Nutzung gleichzeitig noch mit anderen geteilt wird (Beispiele: Couchsurfing, Wundercar etc.).

    • Verleihen: Zeitlich begrenzte Nutzung eines Gegenstandes ohne Bezahlung (Beispiele: Fairleihen).

    • Vermieten: Zeitlich begrenzte Nutzung eines Gegenstandes gegen Bezahlung (Beispiele: Airbnb, Fewo etc.)

    Abb. 4: Anwendungen des Peer-to-Peer Sharing in Prozent


     

     

    Anhand der unterschiedlichen Formen und den damit verbunden Angeboten wird die Vielfältigkeit der Sharing-Modelle deutlich. Eine große Anzahl an Organisationen sehen sich im Bereich dieser Branche und beeinflussen damit auch die deutsche Marktwirtschaft. In einer Datenbank der Peer-Sharing Bestandsaufnahme in Berlin 2015 wurden 79 Plattformen, allein im deutschsprachigen Raum, erfasst (Scholl et al., 2015). Die Ergebnisse dieser Arbeit ergeben, dass die Hauptgründungszeit in den Jahren 2010 bis 2012 lag, danach flachte die Gründungsphase neuer Portale wieder ab. Von den 79 Plattformen entstanden 44 in Deutschland, was einem prozentualen Anteil von 56 % entspricht. Ein Großteil der Firmen besitzen Tochtergesellschaften in Deutschland (Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2016). Eine genaue Darstellung der beteiligten Organisationen wurde anlässlich der CEBIT 2013 erstellt. In dieser wird ersichtlich welche Sharing-Angebote es gibt und nach Branchen die Share Economy unterteilt wird. Hierbei wurden sie in unterschiedliche Bereiche eingruppiert, wie beispielsweise Wohnen, Reisen, Mobilität sowie Tauschbörsen und schlussendlich mit den jeweiligen Anbietern dargestellt.

    Abb. 5: Die deutsche Shareconomy Landschaft


     

    Sharing Economy ist ein dynamisch wachsender Markt ist, der sich in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt hat. Die Konsumbereiche lassen sich mittlerweile aufteilen in Mobilität (29 %), Gebrauchsgegenstände (24 %), Reisen/Übernachten (9 %), Kleidung (8 %), Medien (6 %) und Ernährung (3 %) (Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2016). Erfolgreiche und bedeutsame Plattformen wie Ebay, Uber oder Airbnb haben ihren Hauptsitz in den USA oder wie Baidu oder Alibaba in China. Bei allen scheinbar kostenfreien Plattformen gilt der Sharing-Grundsatz: “If you do’t pay für the product, you are thr product.”

    Insgesamt sind die Angebote einerseits sehr unterschiedlich und andererseits auch sehr vielfältig, obwohl nicht alle Organisationen soziale Ziele verfolgen. Es kann zwischen Kapitalgesellschaften mit hoher kommerzieller Orientierung unter den Anbietern, als auch Non-Profit-Organisationen, welche zum Teil spendenfinanziert sind, unterschieden werden. Auf Grund einer Vielzahl an Anbietern und Firmen ist für den Verbraucher teilweise nur noch schwer zu erkennen, welche Organisation den sozialen Gedanken verfolgt, intensivere Gemeinschaftserlebnisse ermöglicht und sich ökologische Zielsetzungen setzt. Dies löst Kritiken an solchen Modellen aus und stellt bestimmte Share Economy Modelle infrage. Ebenfalls wird angenommen, dass es Personen gibt, die eigene bewährten Geschäftsmodelle massiv bedroht sind - die Neue Zürcher Zeitung NZZ schreibt über die “Angst vor der Uberisierung” (Seittele 2016). Das Grundprinzip der “digital matching”-Unternehmen (Uber, Airbnb usw.) ist, dass Sie selbst keine Dienstleistungen anbieten, sondern eine digitale Vermittlungsplattform für die leichte und schnelle Abwicklung von peer-to-peer-Transaktionen zwischen Anbieter und Nutzer ermöglicht. “Wie eine dünne Schicht legt sich Uber als Plattform zwischen zwei Personen, von der einer eine Leistung anbietet und der andere sie nutzt. In großen Teilen der Welt hat Uber sich innerhalb weniger Monate stark verbreitet. Dahinter steckt mehr als nur ein neuer digitaler Trend. Die Zukunft der Arbeit wird gerade programmiert” (Stegmann, 2016). Inzwischen stoßen die “collaborative consumption”-Anbieter, wichtige Antreiber der Sphäre der “shareconomy” und des geteilten Konsums, vielerorts auf Widerstand (Hamari, Sjöklint, Ukkonen 2015). Kritiker nennen das Geschäftsmodell ein Angriff auf rechtliche Rahmenbedingungen und untergrabe Arbeitnehmerrechte ebenso wie Qualitätsstandards. Im Fall Airbnb wird hinterfragt, ob es sein darf, dass über die Deklarierung als Ferienwohnungen massenhaft normale dem Wohnungsmarkt und Mieterschutz entzogen werden. Im Fall Uber wird ermittelt, ob das Personenbeförderungsrecht ausgehebelt wird und die Fahrer nicht doch als Angestellte bezeichnet werden können. Otto, Hegedüs, Kasper, Kofler und Kunze kritisieren offen, dass folgende Fragestellungen im Bereich der Uberisierung noch Bedarf haben (Otto et al., 2017). Offen ist, wie die Gesetzgeber mit der Thematik umgehen werden - Reaktionen reichen von Deregulierung über Nichtstun bis hin zu massiver Regulierung des Marktes. Was die neuen Angebote bei den traditionellen Produkten, Diensten und Anbietern verändern. Und, ob die neuen Anbieter die Kritik entkräften können - und zwar real, nicht nur medial.

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