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Der Dritte Gesundheitsmarkt
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1.1  Hintergrund

Die ständigen Veränderungen in immer kürzer werdenden Reformintervallen, gepaart mit dem demografischen Wandel und den medizinisch-technischen Entwicklungen führen dazu, dass das heutige Gesundheitssystem auch kritisch hinterfragt wird – insbesondere hinsichtlich der Adaption an die Geschwindigkeit der Veränderungen. Es müssen in der Volatility, Uncertainty, Complexity und Ambiguity (VUCA)-Welt zunehmend neue Strategien entwickelt werden, in einer Branche, die schätzungsweise 10-15 Jahre hinter anderen Branchen wie dem Handel oder der Automobilindustrie zurückliegt (Matusiewicz und Muhrer-Schwaiger 2017). Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit wird es in den nächsten Jahren zu einem Wandel der Gesundheitssysteme kommen (Ochs und Matusiewicz 2019). Unter Berücksichtigung des demographischen Wandels hat die Gesundheitswirtschaft einen hohen Stellenwert erlangt und sich zu einem Teil der deutschen Volkswirtschaft entwickelt. Ziel ist es, Güter und Dienstleistungen zu entwickeln, die dem Erhalt und der Wiederherstellung von Gesundheit dienen (Mühlbauer, Kellerhoff, Matusiewicz, 2014). Zum heutigen Zeitpunkt haben die innovativen und technologischen Entwicklungen eine hohe Bedeutung für das Gesundheitswesen und die Gesellschaft erlangt. So können Krankheiten zukünftig besser behandeln zu können oder sogar verhindert werden (Matusiewicz, 2019). Die Digitalisierung im Gesundheitswesen kann allerdings nur gelingen, wenn es eine flächendeckende Vernetzung und einen funktionierenden Datenaustausch gibt. Dies ist allerdings nach wie vor als eine große Herausforderung zu sehen, da das Gesundheitswesen von Datensilos, Schnittstellenproblemen, Brüchen in der Versorgung, Informationsasymmetrien und blockierendem Lobbyismus hinsichtlich der heute funktionierenden (analogen) Geschäftsmodelle geprägt ist (Matusiewicz und Behm 2017). Die damit verbundenen Veränderungen der medizinischen Versorgung, lassen den Menschen bis heute NICHT “im Mittelpunkt” des Geschehens stehen.

In dieser zunehmend vernetzten Gesundheitswelt und dem derzeitigen kulturellen Umbruch werden sich zukünftig auch die bestehenden Gesundheitsmärkte verändern. Weiterhin führen die Innovationen und digitalen Möglichkeiten zu einem neuen Gesundheitsverständnis (Mörstedt, 2011). Derzeit basiert das deutsche Gesundheitssystem noch auf dem sog. Ersten und dem sog. Zweiten Gesundheitsmarkt. Die Merkmale der einzelnen Gesundheitsmärkte weichen stark voneinander ab und bieten unterschiedliche Leistungen, die der Gesundheitsversorgung dienen. Sie umfassen im Bereich des Ersten Gesundheitsmarktes die vom Staat gesetzlichen- und privaten Versicherungsleistungen sowie im Bereich des Zweiten Gesundheitsmarktes privatfinanzierte Gesundheitsdienstleistungen (Riedel et al., 2009). Dies wird ausführlich in den Kapiteln 3.2.1-3.2.2 ausgeführt.

Nach dem Motto “teilen statt besitzen” findet die neue Ökonomie des Teilens (Share Economy) bereits in vielen anderen Branchen statt, beispielsweise in Bereichen der Mobilität, Ernährung, Mode oder Reisen. Durch Share Economy im Gesundheitssektor entsteht der Dritte Gesundheitsmarkt, so dass Gesundheit nach dem Peer-to-Peer-Prinzip zwischen Gleichgesinnten gemanagt und durch ein Konsumverhalten beeinflusst wird (Heise, Axt- Gadermann, 2018). Zahlreiche Möglichkeiten, die der Verbesserung der Gesundheitsversorgung, sowie neuen Formen der Zusammenarbeit sind im Dritten Gesundheitsmarkt vorzufinden. Dieser zeichnet sich durch das Teilen von Gesundheitsdaten aus, basierend auf dem Prinzip des gemeinsamen Austausches. Dies beinhaltet ein neues Verständnis von Gesundheitswirtschaft, Wertmaßstäben und Wertschöpfung und kann zu einem Wandel im deutschen Gesundheitssystem führen. Der Begriff wird ausführlich in den Kapiteln 3.2.3 ausgeführt.

Das Auswerten gesammelter Gesundheitsdaten kann sowohl für Gesunde als auch für Kranke interessant sein. Eine Vielzahl von Informationen und Daten im Gesundheitssystem können zu einer Verbesserung der Prävention und des Outcomes von Diagnostik und Therapie führen und schließlich zu neuen Lösungsansätzen im Bereich der Forschung. Somit könnte die Zufriedenheit der Bevölkerung mit dem Gesundheitssystem - durch die Möglichkeit der verstärkten Partizipation des Patienten im Gesundheitssystem mitzuwirken - gesteigert werden. Die zunehmende Vernetzung und das Umdenken der Gesellschaft trägt zu der Entstehung des “engagierten Patienten” bei. Dieser könnte in der Lage versetzt werden, sein Wissen über Gesundheit, Krankheiten und Behandlungsmöglichkeiten mit Hilfe digitaler Verfahren zu erweitern. Durch die digitale Entwicklung können Patienten an deutlich mehr Informationen gelangen als noch vor einigen Jahren. So nutzen, laut der Techniker Krankenkasse, rund 77 Prozent der Patienten das Internet als hauptsächliches Informationsinstrument (TK Presse & Politik, 2018). Der Patient wird sich durch die Nutzung seiner Gesundheitsdaten stärker zum Konsumenten entwickeln, indem er als “Selbstzahler” Leistungen mit seinen Gesundheitsdaten in Form von neuen Währungen (bspw. Gesundheitswährung) bezahlt. Hierbei spielen vor allem neue technologische Möglichkeiten eine Rolle, die ihm dazu verhelfen, den Wert seiner Daten einzuschätzen (Eckhardt, et al., 2014). Die Gesellschaft befindet sich in einer Phase der Umstrukturierung und ist in Lage sich mit ihrem Wissen und dem Netzwerk so weiterzuentwickeln, dass das Bedürfnis entsteht, die Gesundheit selbständig zu verwalten. Der Dritte Gesundheitsmarkt ermöglicht ein neues Verständnis des Wertes von Gesundheitsdaten und wirft die Frage auf, wie sich dieses Verständnis in die heutigen Strukturen des Gesundheitswesens ordnungspolitisch verankern lässt. Aber auch ist ein Blick ins Ausland zwingend: Ein nächster Schritt könnte außerdem dazu führen, dass Menschen in anderen Ländern, ohne finanzielle Mittel Gesundheitsdaten nutzen werden, um Gesundheitsdienstleistungen zu erhalten (Auer, 2018).

Die vorliegende Studie widmet sich dem neuen Begriff und stellt diesen in den Kontext der aktuellen Entwicklungen der Gesundheitsbranche. Es wird der Fragestellung nachgegangen werden, was der Begriff bedeutet, welche Gestaltungsmöglichkeiten der dritte Gesundheitsmarkt beinhaltet und inwiefern dieser derzeit in der Praxis Anwendung findet. Im Rahmen dieser Arbeit werden Entwicklungen der nächsten Jahre skizziert, die auf den deutschen Gesundheitsmarkt zukommen werden. Es wird aber auch ein kritischer Blick auf diese neue Technologie gewagt, um die die Ergebnisse auch vor dem Hintergrund der Risiken für die Gesundheitsversorgung und das Individuum ausreichend zu würdigen und ins Verhältnis zu setzen.

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