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KZBV Jahrbuch 2020
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Abrechnungsfälle
Abrechnungsstatistik
Altersverteilung
Alterszahnheilkunde
angestellte Zahnärzte
Anteil
Anteile ausgewählter Ausgabenbereiche
Anzahl
Apotheken
Approbationen
Arbeitszeit des Zahnarztes
ärztliche Behandlung
Aufteilung
Ausgaben der GKV
Ausstattung

3.1  Kurzbericht

Die Frequenzstatistiken der KZBV werden auf der Grundlage der Datenlieferungen der KZVen erstellt und bilden die Basis für die Abrechnungsstatistik der KZBV und die Einzelleistungsstatistiken für die verschiedenen zahnärztlichen Leistungsbereiche. Die Abrechnungsstatistik beinhaltet die über die KZVen abgerechneten Fälle und Beträge und die Einzelleistungsstatistik die Häufigkeiten der abgerechneten einzelnen BEMA-Leistungen.

Im Bereich Zahnersatz war es durch die Einführung des Festzuschusssystems und der damit verbundenen Änderung der Abrechnungssystematik erforderlich, die Frequenzstatistik zu modifizieren. Der Umfang der von allen KZVen gleichermaßen lieferbaren Daten erstreckt sich auf die Zahl der über die KZVen abgerechneten Fälle, deren Beträge (Festzuschüsse) und die Häufigkeiten der abgerechneten Befund-Nummern. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass ein Teil der prothetischen Versorgungen (andersartige Versorgungen) nicht mehr über die KZVen abgerechnet wird. Ein direkter Vergleich der ab dem Jahr 2005 über die KZVen abgerechneten ZE-Fälle mit dem Jahr 2004 oder früheren Jahren spiegelt das Abrechnungsgeschehen nur verzerrt wider.

Kons (inkl. IP), Par und KG/KB

Im Jahr 2019 stiegen in Deutschland die über die Kassenzahnärztlichen Vereinigungen mit der GKV abgerechneten Beträge für allgemeine, konservierende und chirurgische Behandlung (KCH inkl. IP) um 2,8 % je Mitglied (West +2,9 %, Ost +2,8 %). Die Fallzahlen im Bereich KCH steigen im Jahr 2019 um 0,5 % je Mitglied (West +0,5 %, Ost +0,4 %).

Bei der Fallzahlentwicklung im Bereich Kons schlug sich seit 2013 die Aufhebung der Praxisgebühr nieder: Nach der Abschaffung der Praxisgebühr Ende 2012 sind die Abrechnungsfälle bis zum Jahr 2019 um rd. 9,2 Mio. bzw. 10,7 % angestiegen. Die Entwicklung in den Jahren 2014 - 2019 stellt folglich eine Fortsetzung des Trends aus dem Jahr 2013 dar, wenn man die absolute Fallzahlzunahme als Vergleichsbasis heranzieht. Die Gesamtzahl der konservierend-chirurgischen Fälle in Deutschland liegt mit rund 94,8 Mio. im Jahr 2019 leicht oberhalb des Niveaus wie im Jahr 2003 vor der Einführung der Praxisgebühr.

Diese Daten verdeutlichen, dass die von 2004 bis 2012 geltende Praxisgebühr einen dämpfenden Einfluss auf die Inanspruchnahme (gemessen in Fallzahlen) zahnärztlicher Leistungen hatte, was auch durch Niveauabfall der Fallzahlen im konservierend-chirurgischen Bereich zwischen 2004 und 2012 belegt wird. Der Wiederanstieg der Fallzahlen ab 2013 und das Erreichen des Niveaus vor Einführung der Praxisgebühr verdeutlicht den positiven Effekt der Aufhebung der Praxisgebühr im Hinblick auf die verstärkte Inanspruchnahme zahnärztlicher Leistungen durch die Versicherten.

Entwicklung der Fallzahlen im Bereich Kons Jahre 2001 - 2019 - Deutschland


Für Parodontalbehandlung wurden in Deutschland im Jahr 2019 je Mitglied 5,6 % mehr abgerechnet als im Jahr 2018 (West +6,4 %, Ost +0,2 %) und für den Bereich Kieferbruch 8,6 % (West +8,8 %, Ost +6,7 %).

Die Zahl der Abrechnungsfälle im Bereich Parodontalbehandlung ist in 2019 in Deutschland gegenüber 2018 je Mitglied um 2,7 % angestiegen (West +3,6 %, Ost -2,7 %). Die absolute Fallzahl im Bereich Parodontalbehandlung ist im Zeitraum 2000 - 2019 insgesamt um rd. 53 % oder pro Jahr durchschnittlich um 2,3 % angestiegen.

Für die Bereiche Kons, Par und Kieferbruch insgesamt ergab sich in 2019 in Deutschland ein Ausgabenanstieg um 3,3 % (West +3,4 %, Ost +2,8 %) je Mitglied. Die Ausgaben für Individualprophylaxe (IP) erhöhten sich in Deutschland in 2019 um 7,4 % (West +7,0 %, Ost +9,6 %) je Mitglied. Der Anteil für Individualprophylaxe (einschließlich FU) am Honorarvolumen aus allgemeiner, konservierender und chirurgischer Behandlung belief sich auf 6,6 %.

Die Ausgabenentwicklung im Bereich der Individualprophylaxe ist vor dem Hintergrund der am 01.07.2019 erfolgten Neueinführung von drei neuen zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen für Kleinkinder zwischen dem 6. und dem vollendeten 33. Lebensmonat (FU1a-c) sowie der Anwendung von Fluoridlack zur Zahnschmelzhärtung (FLA) und der Anleitung der Betreuungsperson zur Mundhygiene beim Kind (FUPr) zu sehen.

Die Inanspruchnahme individualprophylaktischer Leistungen (ohne Früherkennungsuntersuchungen) betrug im Jahr 2019 in Deutschland 66,3 % bezogen auf die Kinder und Jugendlichen von 6 bis unter 18 Jahren. Für die Mitte 1999 neu in den Leistungskatalog der GKV einbezogenen Früherkennungsuntersuchungen (FU) bei Kindern im Alter von 2 ½ bis 6 Jahren ergab sich im Jahr 2019 ein Anteil von rd. 0,3 % des Honorarvolumens aus allgemeiner, konservierender und chirurgischer Behandlung. Seit ihrer Einführung hat die Zahl der Früherkennungsuntersuchungen im Zeitraum 2000 - 2019 von rd. 466.000 auf rd. 1.018.900 zugenommen, was einer jahresdurchschnittlichen Entwicklung von rd. +4,2 % entspricht. Bezogen auf die anspruchsberechtigte Altersklasse nahmen im Jahr 2000 rd. 21 % und im Jahr 2019 rd. 40 % der Kinder Früherkennungsuntersuchungen in Anspruch.

Kieferorthopädie

Im Bereich Kieferorthopädie stiegen die Ausgaben je Mitglied um 2,7 % im Jahr 2019, wobei die Entwicklung in den neuen Bundesländern mit +3,9 % stärker verlief als die Entwicklung in den alten Bundesländern mit +2,5 %. Die Zahl der Kfo-Fälle je Mitglied verringerte sich in Deutschland um 0,6 %, wobei die Kfo-Fälle in den alten Bundesländern um 0,7 % und in den neuen Bundesländern um 0,4 % zurückgingen.

Parondontalbehandlung - Zahl der abgerechneten Fälle 2000 - 2019 - Deutschland


Prothetik

Die Entwicklung im Bereich Zahnersatz muss vor dem Hintergrund der Einführung des Festzuschusssystems gesehen werden. Ausgehend von einem bedingt durch Vorzieheffekte hohen Ausgangsniveau im Jahr 2004 war im Jahr der Einführung des Festzuschusssytems (2005) zunächst ein deutlicher Rückgang des Versorgungsgeschehens zu beobachten. Wesentliche Gründe für den starken Rückgang der Ausgaben im Bereich Zahnersatz im Jahr 2005 lagen in dem Ende 2004 eingetretenen Vorzieheffekt, in der fehlenden Übergangsregelung, in der Verunsicherung der Versicherten und in den durch den Systemwechsel bedingten Umstellungsproblemen im Jahr 2005. Dies hatte besonders im 1. Halbjahr 2005 zu einem gravierenden Nachfragerückgang nach prothetischen Neuversorgungen geführt. In den Folgejahren kam es im Zuge einer Normalisierung des Versorgungsgeschehens zu einer stärkeren Ausgabenentwicklung, die sich ab dem Jahr 2009 stabilisiert hat.

Die aktuelle Entwicklung der Fallzahlen und der Ausgabenbeträge muss vor dem Hintergrund dieses Normalisierungsprozesses nach Einführung des Festzuschusssystems ab dem Jahr 2005 gesehen werden.

Die Fallzahlen im Bereich Zahnersatz sind im Zeitraum 2005 - 2019 von 12,373 Mio. auf 9,128 Mio. um 26,2 % zurückgegangen. Nach dem umstellungsbedingten deutlichen Rückgang der Fallzahlen bei der Einführung des Festzuschusssytems (2004/2005) ist während des Normalisierungsprozesses im Zeitraum 2006 - 2009 ein leichter Anstieg der Fallzahlen festzustellen, wogegen im Zeitraum 2009 - 2019 die Fallzahlen wieder eine rückläufige Tendenz aufweisen.

Vor dem Hintergrund epidemiologischer Entwicklungen ist diese insgesamt rückläufige Zahl von Zahnersatzfällen nicht überraschend, vielmehr kann sie als Indiz für die verbesserte Mundgesundheit der Bevölkerung und damit tendenziell sinkenden oder zumindest konstanten Bedarf an Zahnersatz-Versorgungen gewertet werden.

Dementsprechend ist auch der Kassenzuschuss aufgrund der rückläufigen Fallzahl im Zeitraum 2004 - 2019 um rd. 4,0 % zurückgegangen, wobei das Ausgabenniveau des Jahres 2004 als Vergleichswert durch umstellungsbedingte Vorzieheffekte jedoch nach oben verzerrt war. In der sich anschließenden Normalisierungsphase seit 2006 erhöhte sich der GKV-Kassenzuschuss um 29,4 %, wobei der Anstieg im Zeitraum 2006 - 2009 stärker ausfiel als im Zeitraum 2009 - 2019.

Inanspruchnahmequote bei IP-FU-Leistungen bei Kindern und Jugendlichen bis unter 18 Jahren im Jahr 2019 - Deutschland


Bei den über die KZVen abgerechneten Fällen im Bereich Zahnersatz stiegen in Deutschland die Kassenausgaben je Mitglied im Jahr 2019 gegenüber 2018 um 3,3 %. Bei rückläufiger Zahl der Fälle (-1,7 %) resultierte daraus ein Anstieg des Fallwerts (Kassenausgaben je Fall) um +5,1%.

Bei der Entwicklung des Fallwerts im Jahr 2019 ist einerseits eine Preiskomponente durch Erhöhung der FZ-Beträge in Höhe der Grundlohnsummenentwicklung sowie andererseits eine anteilig wirkende Strukturkomponente durch die vom G-BA zum 01.04.2018 vorgenommene strukturelle Anpassung der FZ-Beträge zu berücksichtigen.

Die Gesamtfallzahl im Bereich Zahnersatz ist seit 2006 um 15,1 % gesunken, wobei die rückläufige Fallzahl im Bereich Zahnersatz vor dem Hintergrund einer verbesserten Zahngesundheit der Bevölkerung, die mit einem geringeren Bedarf an prothetischen Behandlungen einhergeht, gewertet werden kann. Bei der Analyse der zentralen Abrechnungsparameter Fallzahlen und Ausgaben der GKV im Bereich Zahnersatz können somit zwei getrennte Entwicklungsphasen identifiziert werden, wobei der Zeitraum 2004 - 2009 der Phase der Normalisierung nach Einführung des Festzuschusssystems mit stärkeren Ausgabenveränderungen entspricht und der Zeitraum 2009 - 2019 als Phase einer konsolidierten Ausgabenentwicklung die Morbiditätsentwicklung im Bereich Zahnersatz widerspiegelt.

Bei der Fallzahl- und Ausgabenentwicklung im Bereich Zahnersatz ist die Betrachtung getrennt nach Neuversorgungen und Reparaturen bedeutsam, da diese seit dem Jahr 2006 abweichende Entwicklungen aufweisen.

So war die Zahl der Reparaturen von 6,227 Mio. Fällen im Jahr 2006 und 4,936 Mio. Fällen im Jahr 2019 mit -20,7 % deutlich rückläufig, während die Zahl der Neuversorgungen im selben Zeitraum von 4,568 Mio. Fällen auf 4,192 Mio. Fällen (-8.2 %) weniger stark gesunken ist. Entsprechend hat sich im Zuge dieser Entwicklung der Anteil der Neuversorgungen an allen Zahnersatzfällen (inkl. andersartige Versorgungen) im Zeitraum 2006 - 2019 von 42,3 % auf 45,9 % erhöht. Da Neuversorgungen höhere Kosten verursachen als Reparaturen, führt der höhere Anteil von Neuversorgungen an allen ZE-Fällen für sich genommen zu durchschnittlich höheren Gesamtabrechnungsbeträgen und entsprechend auch höheren Kassenzuschüssen im Bereich Zahnersatz, sodass sinkende Fallzahlen nicht unbedingt im selben Ausmaß zu geringeren Ausgaben im Bereich Zahnersatz führen müssen.

Über die KZVen mit den Primär- und Ersatzkassen abgerechnete Beträge Aufteilung der Ausgaben für zahnärztliche Behandlung 2019 - Deutschland


Ausgabenkomponenten

Die Entwicklung der Ausgaben insgesamt resultierte aus entsprechenden Veränderungen beim zahnärztlichen Honorar einerseits und bei den Material- und Laboratoriumskosten andererseits. Die Entwicklung des zahnärztlichen Honorars wiederum ergab sich aus der Entwicklung des Punktwertes einerseits und der Leistungsmenge gemessen in BEMA-Punkten andererseits.

Eine Ausnahme hiervon bildet der Bereich Zahnersatz ab dem Jahr 2005. Nach dem Festzuschusssystem wird das zahnärztliche Honorar bei Regelversorgungen nach dem BEMA abgerechnet, bei gleich- und andersartigen Versorgungen nach der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ). Laborleistungen bei Regelversorgungen werden nach dem Leistungsverzeichnis BEL abgerechnet, bei gleich- und andersartigen Versorgungen nach der bundeseinheitlichen Benennungsliste BEB.

BEMA-Leistungsmenge je Mitglied im Bereich zahnärztliche Behandlung (ohne Zahnersatz) Deutschland 1991 - 2019 - Primärkassen/Ersatzkassen


Punktwertentwicklung

Der Punktwert für zahnärztliche Leistungen wurde durch das 1993 in Kraft getretene GSG deutlich beeinflusst. Das GSG beinhaltete neben Budgetbestimmungen eine Kürzung der Punktwerte in den Bereichen Zahnersatz und Kieferorthopädie um jeweils 10 %.

Für das Jahr 1999 wurden durch das GKVSolG restriktive Budgets für die Ausgabenbereiche Kons, Par und Kieferbruch sowie Zahnersatz und Kfo festgelegt. Darüber hinaus wurden die Punktwerte in den Bereichen Zahnersatz und Kieferorthopädie durch das GKVSolG ab dem 01.01.1999 nochmals abgesenkt, und zwar um 5 %. Das am 01.01.2000 in Kraft getretene Gesundheitsreformgesetz setzte die restriktive Budgetierung fort.

Angesichts begrenzter Gesamtvergütungsvolumina und den damit verbundenen Unsicherheiten in den aktuellen Vergütungsverträgen ist deshalb die Erstellung einer Punktwertstatistik nur unter Vorbehalt möglich. Nach wie vor stellen die gesetzlich festgesetzten Budgets infrage, ob die durch die vorläufigen Punktwerte bestimmte Einzelleistungsvergütung am Ende des Jahres auch für jede zahnärztliche Leistung zur Verfügung steht. Im Wege der Honorarverteilung sind hier z. T. erhebliche Kürzungen erforderlich. Dies wurde besonders deutlich bei Schiedssprüchen, die nachträgliche Kürzungen des Vergütungsvolumens zurückliegender Jahre um Millionenbeträge festlegten.

Das in 1996 eingeführte Kassenwahlrecht hat zu erheblichen Mitgliederwanderungen zwischen den Krankenkassen geführt. Eine Reihe von Krankenkassen hat ihren Mitgliederbestand dabei deutlich ausgedehnt. Hieraus entstanden z. T. erhebliche Budgetverwerfungen, da die bei der erstmaligen Festlegung der Budgets in den 90er Jahren zugrunde gelegten Strukturen oftmals nicht mehr mit den heutigen Strukturen vergleichbar sind und im Allgemeinen die damaligen durchschnittlichen Budgetbeträge je Mitglied nicht an die mittlerweile geänderten Strukturen im Versichertenbestand angepasst wurden. Für den zahnärztlichen Bereich hatte dies zur Konsequenz, dass bei Zuwanderung von Mitgliedern mit einer über dem mitgliederbezogenen Budget liegenden Leistungsinanspruchnahme vertragszahnärztlicher Leistungen die Budgets häufig nicht mehr ausreichten, die tatsächliche Inanspruchnahme zu finanzieren (Kappung der Leistungsvergütungen in Höhe der Budgets). Auch bei Krankenkassen ohne deutliche Mitgliederzuwächse haben sich z. T. Budgetverwerfungen durch eine Änderung der Zusammensetzung des Versichertenbestandes (z. B. Änderung des Anteils AKV-Mitglieder/Rentner bzw. Mitglieder/ Familienangehörige) seit der Bildung der Budgets in den 90er Jahren ergeben. Bei den Kassen mit Budgetverwerfungen hat die Veränderung im Versichertenbestand zu höheren Ausgaben je Mitglied geführt, die nicht mehr von dem auf den alten Strukturen basierenden Budget je Mitglied gedeckt werden.

Neben Mitgliederwanderungseffekten ist auch die veränderte Inanspruchnahme der Versicherten zu berücksichtigen. Seit der erstmaligen Festlegung der Budgets haben bei einigen Kassen(-arten) sich deutliche Veränderungen im Inanspruchnahmeverhalten der Versicherten ergeben. Festzustellen ist, dass Versicherte aus eher einfachen sozialen Schichten vor mehr als einem Jahrzehnt noch ein deutlich niedrigeres Inanspruchnahmeverhalten aufwiesen. Dementsprechend waren bei den Primärkassen, die als Folge der damaligen Pflichtzuweisung überwiegend einfachere soziale Schichten versicherten, deutlich unterdurchschnittliche Ausgangsbudgets zu verzeichnen. Dies gilt in besonderem Maße für die AOK.

Durch den Abbau von sozialen Disparitäten hat sich in den letzten 20 Jahren eine deutliche Verschiebung der Leistungsinanspruchnahme im Primärkassenbereich in Richtung des bestehenden Niveaus im Ersatzkassenbereich eingestellt.

Die Punktmenge für zahnärztliche Leistungen je Mitglied (ohne ZE) hat im Jahr 2019 bei den Primärkassen rd. 99 % des Niveaus der Ersatzkassen erreicht. Zu Beginn der 1990er Jahre lag der Vergleichswert noch bei rd. 77 % und vor 10 Jahren bei rd. 90 % des jeweiligen Ersatzkassenniveaus.

Diese Faktoren hatten sich als Budgetproblematik bis in das Jahr 2012 ausgewirkt. Die Situation hat sich durch das am 01.01.2012 in Kraft getretene GKV-Versorgungsstrukturgesetz jedoch geändert. Mit dem GKV-Versorgungsstrukturgesetz hat der Gesetzgeber einen Paradigmenwechsel in der Gesundheitspolitik im zahnärztlichen Bereich vollzogen.

Punktwerte, Löhne und Gehälter und Dienstleistungen, reale Entwicklung - Deutschland


Im GKV-Versorgungsstrukturgesetz ist im Hinblick auf die Vergütungsvereinbarungen für das Jahr 2013 die Neujustierung der Gesamtvergütungen (Reset) zur Beseitigung der Budgetverwerfungen der Vergangenheit verankert. Neben den Bestimmungen zur Angleichung der Punktwerte mit nachfolgender Anpassung der Gesamtvergütungen als Ausgangsbasis für die Vertragsverhandlungen für das Jahr 2013 wurden Bemessungskriterien (Zahl und Struktur der Versicherten, Morbiditätsentwicklung, Kosten- und Versorgungsstruktur, die für die vertragszahnärztliche Tätigkeit aufzuwendende Arbeitszeit sowie Art und Umfang der zahnärztlichen Leistungen) in das Gesetz aufgenommen, auf deren Grundlage künftig zielgenauer eine angemessene Fortschreibung der Gesamtvergütung vereinbart werden soll.

Für den Bereich Zahnersatz sind infolge der Einführung des Festzuschusssystems ab dem Jahr 2005 die Budgetregelungen entfallen und es gilt ein bundeseinheitlicher Punktwert für die Regelversorgungen.

Die Punktwerte für Sachleistungen sind in den alten Bundesländern im Jahr 2019 durchschnittlich bei den Primärkassen und bei den Ersatzkassen um jeweils 2,6 % gestiegen. In den neuen Bundesländern erhöhten sich die Punktwerte für Sachleistungen im Jahr 2019 durchschnittlich bei den Primärkassen um 2,9 % und bei den Ersatzkassen um 2,2 %.

Unter Berücksichtigung der Inflationsrate im Jahr 2019 in Höhe von jeweils 1,4 % in den alten Bundesländern und in den neuen Bundesländern ist die Honorierung der zahnärztlichen Leistungen im Sachleistungsbereich im Jahr 2019 real gestiegen. Der längerfristige Vergleich der realen Entwicklung der Punktwerte belegt allerdings, dass der aktuelle Punktwert im Jahr 2019 preisbereinigt noch leicht unterhalb des Wertes des Jahres 1991 liegt. Dies bedeutet, dass der zahnärztliche Punktwert inflationsbereinigt sich noch auf einem Niveau wie zu Beginn der 1990er Jahre bewegt.

Mit den Primär- und Ersatzkassen abgerechnete Beträge - Deutschland - Anteile an den Ausgaben für zahnärztliche Behandlung


Entwicklung der Leistungsmenge

In Deutschland ergab sich im Jahr 2019 im Bereich der konservierend-chirurgischen Behandlung eine unveränderte Leistungsmenge (BEMA-Punkte je Mitglied) gegenüber dem Vorjahr. Dagegen erhöhte sich im Bereich Parodontalbehandlung die Leistungsmenge je Mitglied um 3,0 % und im Bereich Kieferbruch um 5,4 %. Im Bereich Kieferorthopädie blieben die Ausgaben je Mitglied mit +0,1 % nahezu konstant. Damit ergab sich im Bereich zahnärztliche Behandlung ohne Zahnersatz ein leichter Anstieg um 0,3 % je Mitglied im Jahr 2019. Die Einbeziehung der im Bereich Zahnersatz abgerechneten BEMA-Punkte ist nicht sinnvoll, da sie sich nur auf die Regelversorgungen erstrecken.

In der mittel- bis längerfristigen Betrachtung hat sich die Leistungsmenge (gemessen in BEMA-Punkten) im Bereich der zahnärztlichen Behandlung ohne Zahnersatz moderat entwickelt. So nahm die Leistungsmenge je Mitglied in diesem Bereich seit dem Jahr 2005 bis zum Jahr 2019 um insgesamt 3,6 % (bzw. 0,3 % p. a.) ab.

Dabei war die Leistungsmenge im Bereich konservierend-chirurgische Behandlung (inkl. IP) von 2005 bis 2019 je Mitglied mit -0,6 % p. a. leicht rückläufig. Deutlichere Veränderungen zeigten sich im Bereich Kieferorthopädie und im Bereich Parodontalbehandlung mit einer Zunahme um jeweils 1,1 % p. a. und im Bereich Kieferbruch/Kiefergelenkserkrankungen mit einem Anstieg um 4,7 % p.a. Die Entwicklungen im Bereich Kieferorthopädie, Parodontalbehandlung und Kieferbruch/ Kiefergelenkserkrankungen gingen dabei mit einer Fallzahlsteigerung in etwa gleichem Ausmaß einher. Der stärkere Anstieg im Bereich Kieferbruch/Kiefergelenkserkrankungen könnte auf den gestiegenen Bedarf bei der Anwendung von Aufbissschienen zurückzuführen sein. Den größten Anteil am gesamten BEMA-Punktevolumen im Bereich der zahnärztlichen Behandlung ohne Zahnersatz hatte im Jahr 2019 der Bereich der konservierend-chirurgischen Behandlung (inkl. IP) mit 80,9 %. Dieser zentrale Abrechnungsbereich hatte im Jahr 2005 noch einen Anteil am gesamten Leistungsvolumen von 85,2 %. Auf den Bereich Kieferorthopädie entfielen im Jahr 2019 11,7 % und auf den Bereich Parodontalbehandlung 4,9 %. Der Anteil des Bereichs Kieferbruch/Kiefergelenkserkrankungen fällt mit 2,6 % relativ gering aus.

Die Leistungsmengenentwicklung zeigt, dass im Bereich der zahnärztlichen Versorgung in den letzten Jahren GKV-übergreifend in der Summe der Leistungsbereiche keine nennenswerten Leistungsausweitungen zu erkennen waren. Im Bereich Zahnersatz ist das Leistungsgeschehen im Jahr 2005 erheblich zurückgegangen, was im Wesentlichen auf die Sonderfaktoren Vorzieheffekt, fehlende Übergangsregelung und Verunsicherung der Versicherten zurückzuführen ist. In den Jahren 2006 bis 2011 hat insbesondere aufgrund des zunehmenden Anteils der Neuversorgungen ein Aufholprozess mit stärkeren Ausgabenveränderungen stattgefunden, der sich in den Jahren 2012 bis 2019 - mit Ausnahme der rückläufigen Jahre 2012 und 2016 - in abgeschwächter Form fortsetzte.

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