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ATLAS MEDICUS® in der Praxis
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2.3  Landarzt lohnt sich!

Mit einer Hausarzttätigkeit auf dem Land werden häufig eine hohe Arbeitsbelastung und eine mäßige Honorierung verbunden. Doch die Realität kann anders aussehen. So belegen die aktuellen Zahlen der Heilberufedatenbank ATLAS M EDICUS® des Branchenspezialisten REBMANN RESEARCH, dass Allgemeinmediziner auf dem Land oft ein höheres Einkommen als ihre Kollegen in der Stadt erzielen können.

Die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung ist in ganz Deutschland zunehmend in der Diskussion. Zahlreiche vakante Sitze können schon heute nicht mehr besetzt werden. Bis zum Jahr 2030 sollen gemäß einer Prognose der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) bundesweit mehr als 10.500 Allgemeinmediziner fehlen.

Auch Westfalen-Lippe bleibt von dieser Entwicklung nicht verschont. Mitte Juni 2019 gab es in der Region laut Kassenärztlicher Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) insgesamt 455 hausärztliche Niederlassungsmöglichkeiten. 35 Städte, Stadtbezirke oder Gemeinden waren laut Förderverzeichnis bereits von einer (drohenden) Hausarztunterversorgung betroffen. Es ist davon auszugehen, dass sich der Ärztemangel allein aufgrund der Überalterung der Hausärzte in Westfalen-Lippe weiter verschärfen wird.

Eine Niederlassung auf dem Land wird häufig mit Verweis auf finanzielle Nachteile als unattraktiv eingestuft. Zu Unrecht: Zwar liegen die Privatpatientendichte sowie die Kaufkraft in weniger dicht besiedelten Regionen in der Regel unter dem Niveau der größeren Städte oder Ballungsräume. Die Aussage, dass das Honorarpotenzial der Landärzte geringer ausfällt als jenes ihrer Kollegen in der Stadt, lässt sich jedoch zumindest für die Allgemeinmediziner nicht bestätigen. Im Gegenteil: In vielen ländlichen Regionen können Hausärzte ein höheres Durchschnittshonorar als ihre Kollegen in den größeren Städten erzielen. So auch in Westfalen-Lippe. Wie die Regionalanalyse der Heilberufedatenbank ATLAS MEDICUS® des Branchenspezialisten REBMANN RESEARCH belegt, liegen die Hausärzte in den Mittelbereichen (MB) mit geringerer Einwohnerzahl häufiger über dem durchschnittlichen hausärztlichen Umsatzpotenzial der KV-Region (301.231 €, 12/2017) als ihre Kollegen in den dichter besiedelten Gebieten und insbesondere in den Mittelbereichen mit einer Einwohnerzahl von über 100.000. Bei der Beurteilung der Werte ist zu beachten, dass vom Umsatz noch die laufenden Kosten der Praxis (für Personal, Materialien etc.) und gegebenenfalls Tilgungsleistungen für Praxiskredite sowie Steuern und Aufwendungen für die Krankenversorgung, Altersvorsorge etc. zu bestreiten sind.

In der Raumordnungsregion Münster liegen die hausärztlichen Umsätze mit einem Durchschnittswert von knapp 296.000 € etwas schlechter als in der Gesamt-KV-Region Westfalen-Lippe. Abgesehen davon zeigt sich auch hier, dass die Niederlassung in einer größeren Stadt kein Garant für höhere Umsätze ist. So haben z. B. Hausärzte in Oelde, das nach Vreden über die geringste Einwohnerdichte in der Raumordnungsregion verfügt, das zweithöchste durchschnittliche Einkommen.

Tab.: Umsatzpotenzial-Ranking der Mittelbereiche in der Raumordnungsregion Münster

MittelbereichDurchschnittlicher Umsatz (Privat und GKV) je HausarztEinwohnerPosition
Umsatzranking
Ahaus285.085 €61.73221
Ahlen299.190 €81.5587
Beckum304.582 €69.0171
Bocholt299.182 €101.1998
Borken295.628 €89.66313
Coesfeld299.818 €89.8186
Dülmen301.937 €46.5233
Emsdetten293.995 €43.43715
Greven298.516 €37.09710
Gronau289.731 €47.28717
Ibbenbüren294.907 €102.08614
Lengerich301.726 €71.9894
Lüdinghausen300.650 €82.6785
Münster285.706 €311.84620
Ochtrup288.056 €34.20419
Oelde302.297 €29.2652
Rheine298.424 €89.11011
Stadtlohn290.778 €46.73416
Steinfurt296.959 €66.48612
Vreden289.195 €22.61118
Warendorf298.608 €97.9049

KVWL

301.231 €

Quelle: ATLAS MEDICUS® 2019

Hausärzte auf dem Land profitieren nicht nur von einer besseren Konkurrenzsituation, sondern auch von der hausarztzentrierten Versorgung (HzV). Die KV-unabhängige Versorgungsform ist mit einem sicheren, planbaren - und im Vergleich zur kollektivvertraglichen Versorgung häufig attraktiveren - Einkommen verbunden. Im Gegensatz zum Privat- und Selbstzahlerpotenzial sind die HzV-Honorare weder vom Wohnort der Patienten (Stadt/Land) noch von deren Kaufkraft abhängig. In Westfalen-Lippe summierte sich das durchschnittliche HzV-Honorarvolumen je teilnehmendem Hausarzt im Jahr 2017 bereits auf knapp 86.500 €. Ähnlich standortunabhängig gestalten sich auch die Honorare aus den Disease-Management-Programmen (DMP).

Für eine Niederlassung auf dem Land sprechen zudem direkte finanzielle Vorteile. Die Kosten - sowohl für die Praxis (wie Mieten oder Personalkosten) als auch für die private Lebensführung - liegen auf dem Land meist deutlich niedriger. Dies gilt auch bezüglich der Preise für den Erwerb einer Immobilie oder eines Kassenarztsitzes. Zudem sorgen die gesicherte Nachfrage und der geringe Konkurrenzdruck für planbare Einnahmen und ein äußerst geringes Ausfallrisiko. Nachteile können sich bei der Praxisabgabe ergeben. Eine rechtzeitige Planung der Abgabe und der Erhalt der Attraktivität der Praxis sind deshalb umso wichtiger. Dies kann unter anderem durch eine Kooperationsform erfolgen, die flexible Arbeitsverhältnisse ermöglicht. Eine Kooperation kann ferner dazu beitragen, die Arbeitsbelastung des einzelnen Hausarztes (die auf dem Land deutlich höher liegen kann) in einem vertretbaren Rahmen zu halten. Berufsausübungsgemeinschaften, Anstellungen von Kollegen bzw. Weiterbildungsassistenten, Teilzulassungen oder Jobsharing sowie der Einsatz von arztentlastenden Assistenten erlauben auch für Landärzte eine ausgeglichene Work-Life-Balance. Dank der Aufhebung der Residenzpflicht sind ferner flexible Wohn-/Arbeitsmodelle (Wohnsitz in der Stadt und Arbeit auf dem Land) möglich.

In vielen ländlichen Regionen gibt es zudem attraktive finanzielle Förderprogramme der Kassenärztlichen Vereinigungen. In Westfalen-Lippe unterstützt die KV in ausgewiesenen Mittelbereichen unter anderem die Übernahme eines hausärztlichen Versorgungsauftrages (Zulassung oder Anstellung) und bietet Praxisdarlehen und Umsatzgarantien. Maßnahmen für die Nachwuchssicherung bei den Hausärzten auf dem Land gibt es darüber hinaus auch von einigen Kommunen sowie vonseiten des Bundes und der Länder.

Mit dem Aufbau der medizinischen Fakultät in Ostwestfalen­Lippe in Bielefeld (mit Schwerpunkt Allgemeinmedizin,) der Einführung der Landarztquote und dem Beschluss zur Förderung des Quereinstiegs von Krankenhaus- und Fachärzten erhofft sich das Land Nordrhein-Westfalen - zumindest auf lange Sicht - positive Impulse für die hausärztliche Versorgung. Eine weitere Förderung der Landarzttätigkeit und der sprechenden Medizin sowie u.a. eine bedarfsgerechtere Planung der Arztsitze sieht auch das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) vor. Letztendlich bleibt zu hoffen, dass all diese Maßnahmen zusammengenommen eine Trendumkehr beim Hausarztnachwuchs auf dem Land bewirken können. Ausschlaggebend für die Entscheidung pro oder contra Niederlassung auf dem Land sind jedoch häufig persönliche und familiäre Gründe, wie das Arbeitsplatzangebot für den (Ehe)Partner, Kinderbetreuung und Schulen vor Ort, die Verkehrsanbindung etc. Hier liegt es nicht zuletzt im Interesse der Kommunen, verbesserte Angebote zu schaffen.

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