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ATLAS DENTAL Europa 2019
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3.1.1  Nachfragestrukturen

Die gesellschaftlichen Entwicklungen haben auch Auswirkungen auf die Nachfrage nach zahnmedizinischen Leistungen. Folgende Nachfragergruppen bekommen durch den demografischen Wandel mehr Gewicht: die sogenannten “Best Ager” und die älteren Senioren, darunter besonders die Gruppe der Pflegebedürftigen.

“Best Ager”, jüngere Senioren

Derzeit erreichen die geburtenstarken Jahrgänge (“Baby-Boomer”) das Alter von 50+, verstärken also die Gruppe der sogenannten “Best Ager”. Diese Konsumentengruppe lebt typischerweise in wirtschaftlich gesicherten Verhältnissen und ist körperlich und geistig noch fit und aktiv. Die kaufkräftigen “Best Ager” sind im Internet aktiv (95% dieser Altersgruppe nutzen das Medium Internet)5 , gesundheitsbewusst und gut informiert.

Entsprechend hoch ist bei diesem Käufertyp die Bereitschaft, in (Mund-) Gesundheit und Aussehen zu investieren, auch in Form von Selbstzahlerleistungen.6

Beleg für das gestiegene Gesundheitsbewusstsein ist die signifikante Verbesserung der Mundgesundheit bei der Gruppe der jüngeren Senioren. So ist bei 65- bis 74-Jährigen nur noch jeder Achte zahnlos (1997 war es noch jeder Vierte). Mit einer steigenden Zahl eigener Zähne verschiebt sich die Prävalenz von Karies- und Parodontalerkrankungen immer mehr ins höhere Alter. Die Zahl der Parodontal- (65% der 65- bis 74-Jährigen betroffen) und Karieserkrankungen ist - sowohl in Bezug auf Anzahl als auch auf Schwere der Erkrankungen - rückläufig. Die Verbesserung der Mundgesundheit ist dabei in allen sozialen Schichten gleichermaßen ausgeprägt.7

Die höchsten Honorarumsätze werden derzeit in Deutschland und vermutlich auch in den anderen betrachteten Ländern mit der Patientengruppe der 45 bis 70-Jährigen erzielt. Neben der verstärkten Nachfrage nach Karies- und Parodontalbehandlungen ab 65 Jahren steigt mit wachsendem Gesundheitsbewusstsein die Bereitschaft, für höherwertigen Zahnersatz (z. B. implantatgetragenen Zahnersatz) sowie für prophylaktische Zahnbehandlungen (z. B. professionelle Zahnreinigung) selbst aufzukommen. Auch die Nachfrage nach kosmetischen Zahnbehandlungen (z. B. Bleaching) wächst. Wie die Abbildung 21 zeigt, lassen sich diese und auch andere Zielgruppen mittels geeigneter Analysetools genau lokalisieren.

Mit dem zunehmenden Bedarf der zahnmedizinischen Versorgung bei älteren Senioren und Pflegebedürftigen steigt auch die Anzahl von Zahnimplantaten und Mundoperationen. Der Eintritt der geburtenstarken Jahrgänge in die Altersgruppe der “Best Ager” wirkt für den Moment positiv auf den zukünftigen Prothetikbedarf und dämpft den Mengenrückgang, der durch die zunehmende Mundgesundheit entsteht. Auf lange Sicht wird sich dieser allerdings fortsetzen.

Abb. 21 /// Demografie Best Ager


Quelle: www.ATLAS-MEDICUS.de /// Stand: 2018

Ältere Senioren/Pflegebedürftige

Der Mundgesundheitszustand bei älteren Senioren (> 75 Jahre) entspricht heute dem der jüngeren Senioren vor 10 Jahren. Diese Entwicklung bedeutet insgesamt mehr mundgesunde Lebensjahre. Trotz dieser Verbesserung ist jedoch davon auszugehen, dass Karies- und Parodontalerkrankungen aufgrund des steigenden Anteils Älterer und dem sinkenden Anteil Zahnloser in absoluten Zahlen zunehmen werden und damit der Behandlungsbedarf prognostisch steigt. Diese Entwicklung zeigt sich in allen europäischen Ländern. Die Krankheitslasten verdichten sich erst im fortgeschrittenen Lebensalter. Diese sogenannte Morbiditätskompression trifft sowohl auf Karies- als auch auf Parodontalerkrankungen zu. Eine moderate bzw. schwere Parodontitis erleidet fast jeder ältere Senior (90 %). Die Folge ist ein wachsender Behandlungsbedarf bei den älteren Senioren, insbesondere bei Pflegebedürftigen, die im Vergleich zu gleichaltrigen nicht Pflegebedürftigen eine deutlich schlechtere Mundgesundheit aufweisen. Dies äußert sich in höheren Karieserfahrungen und in weniger vorhandenen eigenen Zähnen (siehe Abb. 23). Die Zahnpflege von Pflegebedürftigen ist oft mangelhaft und der Zugang zur zahnmedizinischen Versorgung schwierig. Aktuell können beispielsweise in Deutschland nur 17,5 % der Menschen mit Pflegebedarf uneingeschränkt zahnmedizinisch behandelt werden.8 Trotz dieses Umstandes sind die Ausgaben für zahnmedizinische Behandlungen im Vergleich zu den restlichen Leistungsausgaben im Gesundheitswesen in allen Lebensphasen - so auch im hohen Alter und am Lebensende - auf einem niedrigeren Niveau.9

Abb. 23 /// Mundgesundheit von älteren Senioren mit Pflegebedarf


Quelle: Institut der Deutschen Zahnärzte10 /// Grafik: REBMANN RESEARCH /// Stand: 2016

Verantwortliche in Politik und Gesellschaft haben sich darauf verständigt, die zahnmedizinische Versorgung Pflegebedürftiger zu verbessern und die hierbei zu leistenden Aufgaben sowohl für die Zahnarztpraxen als auch für die Pflegekräfte angemessen zu vergüten. Die Möglichkeit, Kooperationsverträge mit Pflegeeinrichtungen abzuschließen, bietet Sicherheit für beide Seiten. In Deutschland bestehen bereits 3.700 dieser Kooperationen. Dies entspricht 27 % der Pflegeeinrichtungen.11 Grundsätzlich ist die Tätigkeit für einen Zahnarzt in einer Praxis auch heute noch wirtschaftlicher und ergonomischer als die aufsuchende Versorgung pflegebedürftiger Senioren. In Deutschland können allerdings Zahnärzte bei der Behandlung Pflegebedürftiger seit Juli 2018 durch zusätzlich abrechenbare Zuschlagspositionen mehr Honorar bei einem Hausbesuch, der Behandlung in einer Einrichtung oder auch in der eigenen Praxis abrechnen als bislang.

Da aufgrund der demografischen Entwicklungen der Bedarf an zahnmedizinischer Versorgung bei älteren Senioren und besonders bei Pflegebedürftigen steigen wird, ist es sinnvoll, sich künftig stärker auch auf die Alterszahnmedizin auszurichten. Unterstützt wird diese Entwicklung vom Trend zu Mehrbehandlerpraxen, die sich für die aufsuchende Behandlung beispielsweise einen festen Vormittag pro Woche einplanen können.12

Die zunehmende Multimorbidität, gerade bei älteren Patienten, sollte (insbesondere wegen der bei der Behandlung eingesetzten verschiedenen Medikamente) bei oralchirurgischen Interventionen berücksichtigt werden. Hier ist eine geeignete Therapieplanung, -durchführung und posttherapeutische Betreuung erforderlich. Allgemein rückt der Zusammenhang zwischen zahnmedizinischen Befunden und Erkrankungen des Gesamtorganismus immer mehr ins Bewusstsein und wird durch Forschungsergebnisse immer deutlicher. Im Zusammenhang mit der demografischen Entwicklung prognostizieren Modellrechnungen der KV Nordrhein eine Veränderung der Prävalenz bestimmter chronischer Erkrankungen, unter anderem eine deutliche Zunahme von Demenzerkrankungen, Herzinsuffizienz, Parkinson, Niereninsuffizienz, Schlaganfall und ischämischer Herzkrankheit. Typisch für diese Erkrankungen ist ihr koinzidentes Auftreten bei einem Patienten. Derartige Allgemeinerkrankungen werden immer öfters mit Zahnerkrankungen in Verbindung gebracht. Infolgedessen wird die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Zahnmedizinern und Allgemein- bzw. Fachärzten wie auch Ernährungswissenschaftlern zunehmend erforderlich. Das Bewusstsein, dass sich eine gute Mundgesundheit auch positiv auf den Erhalt der allgemeinen Gesundheit auswirkt, steigt.13

Fußnoten
5)
Statistisches Bundesamt (2018): IT-Nutzung. URL: https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/EinkommenKonsumLebensbedingungen/ITNutzung/ITNutzung.html
6)
ZWP online (9/2018): Best Ager: Patientengruppe mit Potenzial. URL:https://www.zwp-online.info/zwpnews/dental-news/branchenmeldungen/schwerpunkt-alterszahnheilkunde-aktuelle-zwp-jetzt-online-lesen
7)
Institut der Deutschen Zahnärzte (2016): Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V). URL: https://www.bzaek.de/wir-ueber-uns/daten-und-zahlen/deutsche-mundgesundheitsstudie-dms.html
8)
Institut der Deutschen Zahnärzte (2016): Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V). URL: https://www.bzaek.de/wir-ueber-uns/daten-und-zahlen/deutsche-mundgesundheitsstudie-dms.html
9)
KZBV (2017): AGENDA MUNDGESUNDHEIT_2017-2021. URL: https://www.kzbv.de/agenda-mundgesundheit.659.de.html
10)
Institut der Deutschen Zahnärzte (2016): Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V). URL: https://www.bzaek.de/wir-ueber-uns/daten-und-zahlen/deutsche-mundgesundheitsstudie-dms.html
11)
zm online (23.8.2018): Neue Richtlinien in der Alterszahnmedizin. URL: https://www.zm-online.de/markt/news/e-wise-gmbh/neue-richtlinie-in-der-alterszahnmedizin
12)
DZW (2018): Aussuchende Betreuung - Zahnersatz im Altersheim ist ein lohnenswertes Feld. URL: https://www.dzw.de/zahnersatz-im-altersheim-lohnenswertes-feld
13)
Institut der Deutschen Zahnärzte (2016): Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V). URL: https://www.bzaek.de/wir-ueber-uns/daten-und-zahlen/deutsche-mundgesundheitsstudie-dms.html
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